Die stillen Helden der Integration in Österreich | Migrantenmedien ohne Unterstützung

Die stillen Helden der Integration in Österreich | Migrantenmedien ohne Unterstützung

Pressefreiheit, Medienvielfalt und Integration werden in der österreichischen Politik häufig als zentrale Werte betont. Doch wenn es um Medien geht, die von Migrant:innen selbst betrieben werden, mehrsprachig sind und nah an den Communities berichten, verlieren diese Begriffe praktisch an Bedeutung. Seit 2017 berichten WELG Medien und Der Virgül täglich – erhalten jedoch weder von Landesvertretungen, noch von Gemeinden oder staatlichen Stellen finanzielle Unterstützung. WELG und Der Virgül teilen dieses Schicksal mit fast allen türkischen und deutschsprachigen Migrantenmedien in Österreich.

Medien als Träger der Integration – ohne institutionelle Anerkennung

Migrantenmedien leisten einen wichtigen Beitrag zur Integration. Sie informieren über Rechte und Pflichten, erklären politische und gesellschaftliche Prozesse, bauen Brücken zwischen Communities und der Mehrheitsgesellschaft und wirken Desinformation sowie gesellschaftlicher Spaltung entgegen. Trotzdem werden sie systematisch von öffentlichen Förder- und Unterstützungsstrukturen ausgeschlossen. Während für Integrationsprojekte Millionen bereitgestellt werden, bleiben Medien, die Integration täglich praktisch umsetzen, außen vor.

Medienförderung – für wen und nach welchen Kriterien?

In Österreich fließen öffentliche Medienförderungen überwiegend an große, kapitalkräftige und staatsnahe Medienhäuser. Projekte, die Migrant:innen lediglich als Thema behandeln, werden unterstützt – Medien, die von Migrant:innen betrieben und gestaltet werden, hingegen kaum. Länder und Gemeinden nutzen die Reichweite migrantischer Medien gern für Veranstaltungen oder Öffentlichkeitsarbeit, verweigern jedoch nachhaltige institutionelle Förderung.

Ökonomische Ausgrenzung als Grenze der Pressefreiheit

Wenn Migrantenmedien keinen Zugang zu öffentlichen Inseraten, Werbebudgets oder Förderprogrammen haben, wird Pressefreiheit nicht direkt eingeschränkt, sondern wirtschaftlich unterlaufen. Viele Redaktionen arbeiten ausschließlich mit ehrenamtlicher Arbeit und privaten Mitteln. Andere geben auf oder müssen ihre Inhalte aus wirtschaftlicher Not einschränken. Langfristig führt dies zu weniger Vielfalt, geringerer Sichtbarkeit migrantischer Perspektiven und zu einer Verarmung der öffentlichen Debatte.

Kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem

Die Situation von WELG Medien und Der Virgül ist beispielhaft für viele türkische, kurdische, arabische, bosnische und mehrsprachige Medien in Österreich. Sie alle kämpfen unter prekären Bedingungen ums Überleben, ohne institutionelle Absicherung, oft allein getragen von persönlichem Engagement und der Solidarität der Leser:innen. Das macht Migrantenmedien besonders verletzlich und abhängig.

Die Kluft zwischen Integrationsrhetorik und Realität

Während Politik und Behörden Integration betonen, ignorieren sie einen ihrer wichtigsten Akteure: die migrantische Presse. Integration ist ohne kontinuierliche, verständliche und vertrauenswürdige Information nicht möglich. Solange Medien, die diese Aufgabe täglich erfüllen, strukturell ausgeschlossen bleiben, bleibt Integration ein Schlagwort – keine gelebte Praxis.

Eine klare Forderung

Migrantenmedien müssen als gleichwertige Akteure der Medienlandschaft anerkannt werden. Medienförderungen müssen transparent, fair und inklusiv gestaltet sein. Länder, Gemeinden und der Bund sind aufgefordert, Migrantenmedien als institutionelle Partner zu sehen und zu unterstützen. Andernfalls bleibt Pressefreiheit in Österreich ein Privileg der Starken – und Vielfalt ein leeres Versprechen.| ©DerVirgül

Yayınlama: 06.01.2026
Düzenleme: 06.01.2026
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