Bilal Erdoğan in Wien von AKP-Anhänger:innen wie ein „Prinz“ empfangen
Der Sohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, Bilal Erdoğan, wird zunehmend als möglicher politischer Nachfolger gehandelt. Entsprechende Spekulationen finden in den vergangenen Wochen auch in europäischen Medien Beachtung. Als Grund gilt unter anderem seine verstärkte Teilnahme an Veranstaltungen in Ländern mit großer türkischstämmiger Bevölkerung wie Deutschland, Belgien und Österreich sowie die dort vermittelten politischen Botschaften.
Die öffentliche Präsenz Bilal Erdoğans hat sich im vergangenen Jahr deutlich erhöht. Der vollständige Name Necmeddin Bilal Erdoğan tritt verstärkt durch seine Funktionen in verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen und durch öffentliche Reden in Erscheinung. Beobachter werten dies als mögliche Vorbereitung auf eine politische Rolle nach seinem Vater.
Empfang in Wien
Bei einem vom Uluslararası Demokratlar Birliği-Ableger in Wien [UID Wien] organisierten Iftar-Empfang erklärte Bilal Erdoğan in seiner Funktion als Vorsitzender des Kuratoriums der İlim Yayma Vakfı, dass sich im Ausland lebende türkische Staatsbürger verstärkt um türkische zivilgesellschaftliche Organisationen sammelten und die Türkei unter der Führung von Präsident Erdoğan stärker unterstützten als je zuvor.
In seiner Rede verwies er auf wirtschaftliche Kennzahlen: „Die Türkei unter der Führung von Recep Tayyip Erdoğan verfügt im Vergleich zu vor 23 Jahren über eine achtmal größere Wirtschaft. Aus einem Exportvolumen von 30 Milliarden US-Dollar sind 275 Milliarden geworden. Das Bruttoinlandsprodukt ist von rund 200 Milliarden US-Dollar auf 2,6 Billionen US-Dollar gestiegen. Mit dem Wachstum im Jahr 2025 ist die Türkei in die Gruppe der Länder mit hohem Einkommen aufgestiegen“, sagte Erdoğan.
Er betonte zudem, eine starke Führung habe zu einem stärkeren Staat geführt, der seine Bürgerinnen und Bürger weltweit unterstütze und ihre Rechte schütze.
Bilal Erdoğan erinnerte daran, dass Präsident Erdoğan seit den 1980er-Jahren im Ausland lebenden Türkinnen und Türken empfehle, die Sprache ihres Aufenthaltslandes gut zu erlernen. Gleichzeitig habe er stets betont, dass sowohl die eigene kulturelle Identität bewahrt als auch eine gute Integration in die Gesellschaft des jeweiligen Landes angestrebt werden solle.
Zu seiner Europareise erklärte Bilal Erdoğan, er habe an einem UID-Treffen in Ankara teilgenommen. Dort habe der stellvertretende AKP-Vorsitzende und Leiter für Auslandsbeziehungen sowie Istanbuler Abgeordnete Zafer Sırakaya den Wunsch geäußert, ihn im Ramadan in Europa zu empfangen.
Zafer Sırakaya übermittelte in seiner Rede zudem eine Botschaft von Präsident Erdoğan an die im Ausland lebenden Türkinnen und Türken: „Sie sind ein Teil unseres Herzens und die Krone unseres Hauptes.“
An dem Iftar-Empfang nahmen neben türkischen Diplomaten in Wien auch Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen sowie zahlreiche geladene Gäste teil. Die österreichische Polizei traf außerhalb des Veranstaltungsortes Sicherheitsvorkehrungen; Gäste wurden einzeln kontrolliert, bevor sie eingelassen wurden.| ©DerVirgül



