Von einem kleinen Greißler zur Kette | Der Aufstieg von ET-SAN in Österreich
Hinweis: Dieser Inhalt enthält werbliche Elemente. Er wurde im Format eines redaktionellen Beitrags erstellt.
Anmerkung der Redaktion:
Die zunehmende Monopolisierung des Lebensmittelsektors in Österreich hat dazu geführt, dass von Österreicherinnen und Österreichern betriebene Greißler und kleine Lebensmittelgeschäfte entweder in den Konkurs getrieben oder von großen Handelsketten aufgekauft und damit systematisch vom Markt verdrängt wurden. Gegenüber den vor allem in Deutschland ansässigen Handelsketten haben jedoch – entgegen den allgemeinen Funktionsmechanismen des Kapitalismus – türkische Lebensmittelmärkte bislang Widerstand geleistet und tun dies weiterhin.
Auch wenn dieser Widerstand eine von feudalen Strukturen geprägte Grundlage aufweist, haben zugleich die Unfähigkeit der großen Handelsketten, den Geschmacksvorlieben von Migrantinnen und Migranten aus der Türkei gerecht zu werden, sowie das fehlende Vertrauensverhältnis, dazu beigetragen, dass türkische Märkte ihre Existenz gegenüber den monopolistischen Konzernen behaupten konnten.
In Österreich geraten traditionelle Greißler und kleine Nachbarschaftsmärkte zunehmend unter Druck. Die Zahl der klassischen, von der einheimischen Bevölkerung betriebenen Lebensmittelgeschäfte ist heute nahezu auf ein Minimum geschrumpft.
Einen der entscheidenden Wendepunkte dieser Entwicklung markierte der Konkurs der genossenschaftlich organisierten Supermarktkette Konsum Österreich im Jahr 1995. Die Wurzeln von Konsum reichten bis ins Jahr 1852 und damit in die Zeit der Monarchie zurück. Ziel der Genossenschaft war es, steigenden Preisen entgegenzuwirken, den Zugang zu Grundnahrungsmitteln für Arbeiterinnen, Arbeiter und ihre Familien zu erleichtern und dabei den kleinen Handel zu schützen. Mit dem Ende von Konsum begann jedoch eine neue Phase im österreichischen Lebensmittelhandel.
Deutsche Ketten breiten sich im ländlichen Raum aus
Nach dem Rückzug von Konsum breiteten sich deutsche Handelsketten rasch in ganz Österreich aus. Vor allem in ländlichen Regionen wurden große Filialen errichtet, die mehrere Dörfer gleichzeitig versorgten. Dank ihrer Größenvorteile konnten diese Ketten Produkte zu niedrigeren Preisen anbieten, womit kleine Greißler nicht konkurrieren konnten. In der Folge schlossen sie einer nach dem anderen.
So verschwand die Greißlertradition in Österreich weitgehend, während der Lebensmittelhandel zunehmend von wenigen großen Konzernen dominiert wurde.
Widerstand gegen die Monopolisierung: Türkische Märkte
Gegen diese monopolistische Struktur konnten sich jedoch einige Ausnahmen behaupten. Mit der Arbeitsmigration aus der Türkei nach Österreich ab den 1960er-Jahren wurde auch der Bedarf an Produkten, die den kulinarischen Gewohnheiten der Migrantinnen und Migranten entsprechen, ins Land getragen.
Heute leben laut Angaben in rund 60 Prozent der Gemeindegebiete Österreichs Menschen mit türkischem Migrationshintergrund [Quelle: Der Virgül]. Insbesondere mit dem Anwachsen der migrantischen Bevölkerung in Industriegebieten sowie in den umliegenden Kleinstädten und Dörfern entstand ein konkreter Bedarf, der zur räumlichen Entstehung türkischer Lebensmittelmärkte führte.
Produkte wie Bulgur, Oliven, Sucuk, Weinblätter, Tee, Pide und ähnliche Waren fanden in den Regalen der großen Supermarktketten kaum Platz. Türkische Märkte schlossen diese Lücke und begannen, mit der Zeit nicht nur Migrantinnen und Migranten, sondern auch andere Konsumentengruppen anzusprechen.
Ein Modell, das im Wettbewerb besteht
Angesichts des Erfolgs türkischer Märkte erweiterten deutsche Handelsketten ihr Sortiment um Produkte wie Käse, Tee oder Nüsse. Dennoch konnten türkische Märkte ihre Marktposition durch Nischenprodukte, frische Waren und eine direkte Beziehung zur Kundschaft behaupten.
Heute sind türkische Lebensmittelmärkte in vielen Städten und Gemeinden Österreichs fest etabliert.
Eine Erfolgsgeschichte der Kettenbildung: ET-SAN
Zu den Unternehmen, die aus dieser Entwicklung gestärkt hervorgegangen sind, zählt auch ET-SAN. Das Unternehmen wurde 1986 im Wiener Bezirk Favoriten von Hüseyin Ünal Karaca unter dem Namen „AKSOY“ als kleiner Greißler gegründet. Mit einem auf Migrantinnen und Migranten zugeschnittenen Sortiment wuchs der Betrieb kontinuierlich. Einen entscheidenden Meilenstein stellte der Start der ersten Halal-Fleischproduktion in Österreich dar.
Der Name ET-SAN setzt sich aus den Begriffen „Et“ [Fleisch] und „Sanayi“ [Industrie] zusammen. Heute ist das Unternehmen gemeinsam mit der Macro Group ein bedeutender Akteur im Fleisch- und Lebensmittelsektor. ET-SAN betreibt derzeit 40 Filialen in den Bundesländern Wien, Niederösterreich und Steiermark.
Österreichs größter türkischer Supermarkt entsteht
ET-SAN kündigte an, seine Investitionen weiter auszubauen. Laut Unternehmensangaben wird am Donnerstag, dem 01.08.2026, im 21. Wiener Gemeindebezirk, Shuttleworthstraße 11–15, 1210 Wien, eine neue Filiale eröffnet. Ziel ist es, dort den größten türkischen Supermarkt Österreichs zu etablieren.
Ein Fazit einer Epoche
In einer Zeit, in der traditionelle österreichische Greißler weitgehend verschwunden sind, haben von Migrantinnen und Migranten gegründete türkische Märkte nicht nur eine Versorgungslücke geschlossen, sondern auch ein alternatives Modell zur monopolistischen Marktstruktur geschaffen.
Was einst ausschließlich auf das Vertrauen der türkischstämmigen Bevölkerung angewiesen war, hat sich heute zu einem dauerhaften wirtschaftlichen Akteur mit breiter Kundschaft entwickelt.| © DerVirgül