Wiens Schneefreude wird zur Ernüchterung | Straßen werden zur Eisbahn
| Adem Hüyük
Mit dem ersten Schnee des Jahres aufzuwachen, gilt meist als besonderes Erlebnis – die Stille, die weiße Decke, die eine beruhigende Atmosphäre schafft. Auch viele Wienerinnen und Wiener starteten mit diesem Gefühl in den Tag und teilten Fotos des verschneiten Wiens in den sozialen Medien.
Doch die Freude währte nur kurz.
Aufgrund der fortschreitenden globalen Erwärmung verlaufen die Winter in Wien seit Jahren zunehmend milder. Schneefall – inklusive weißer Weihnachten – ist zur Seltenheit geworden. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre war die Stadt insgesamt rund 30 Tage pro Jahr schneebedeckt. Umso größer ist die Begeisterung, wenn es tatsächlich schneit.
Umso erstaunlicher ist es, dass Wien, das mehrfach zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt wurde, nach einem Schneefall von nicht einmal fünf Zentimetern zeitweise nahezu unbewohnbar wirkte.
Die Stadt Wien steht nach dem gestrigen, vergleichsweise geringen Schneefall unter zunehmender Kritik, weil Straßen und Gehsteige großteils nicht geräumt wurden. Obwohl die Schneemenge keineswegs außergewöhnlich war, blieben viele Bereiche eisig und rutschig. Das wirft erneut die Frage auf, ob die Stadt auf winterliche Bedingungen ausreichend vorbereitet ist.
Zahlreiche Beschwerden aus der Bevölkerung weisen vor allem auf erhebliche Sicherheitsrisiken in den Morgenstunden hin – insbesondere abseits der Hauptverkehrsachsen sowie auf Gehwegen. Probleme rund um Haltestellen des öffentlichen Verkehrs und entlang von Schulwegen sorgten zusätzlich für Unmut.
Die Opposition verschärft derweil den Ton. Der Wiener FPÖ-Obmann und Stadtrat Dominik Nepp attackierte die Stadtregierung in einem aktuellen Social-Media-Posting scharf und spricht von einem klaren Versagen der von Bürgermeister Ludwig geführten SPÖ.
„Die Ludwig-SPÖ versagt bei der Schneeräumung in Wien. Es ist spiegelglatt und brandgefährlich“, schrieb Nepp. Die Ursache sieht er nicht bei den Beschäftigten des Winterdienstes, sondern bei politischen Entscheidungen im Rathaus. „Die zu wenigen Mitarbeiter trifft an dem personellen Sparkurs keine Schuld. Das Versagen liegt bei der roten politischen Führung“, so der FPÖ-Politiker.
Nepp ging noch einen Schritt weiter und brachte die Situation mit der finanziellen Lage der Stadt in Verbindung. Wien wirke offenbar „derart pleite, dass sie sich nicht einmal die Schneeräumung mehr leisten kann“.
Die Aussagen verdeutlichen einmal mehr, wie verhärtet die Fronten zwischen FPÖ und SPÖ in Wien sind. Während die einen von Sicherheitsrisiken und falschen Prioritäten sprechen, verweist die Stadtregierung regelmäßig auf angespannte Budgets und organisatorische Herausforderungen.
Fest steht jedoch: Ein Schneefall von unter fünf Zentimetern hat in Wien nicht nur die Straßen in gefährliche Eisflächen verwandelt, sondern auch die Krisenfestigkeit der Stadtpolitik ins Zentrum einer eisigen Debatte gerückt.| ©DerVirgül
