FPÖ | Rückkehr zu den Wurzeln und die Türken, die sie unterstützen

FPÖ |  Rückkehr zu den Wurzeln und die Türken, die sie unterstützen

| Adem Hüyük

Bei den Wiener Landes- und Gemeinderatswahlen am 11. Oktober 2020 wurde deutlich, wie offen der Kampf zwischen politischen Parteien ausgetragen wurde – ein Kampf zwischen dem Bewahren von Realitäten und dem Versuch, sie zu verschleiern.

Favoriten als politischer Hotspot
Bereits im September 2020 zeigte der Viktor-Adler-Platz in Favoriten seine politische Bedeutung. SPÖ und FPÖ nutzten die Straße für ihre Wahlkampfveranstaltungen. Vor Ort fiel auf, dass die FPÖ während ihrer Kundgebung Handlungen zeigte, die im Widerspruch zu ihrer offiziellen Rhetorik standen – ein klares Signal für politische Inkonsistenz und fragwürdige Glaubwürdigkeit.

Dominik Nepp kündigte an, türkische Staatsbürger bei der Vergabe von Gemeindewohnungen zurückzustellen und Österreichern Vorrang zu geben. Kurioserweise fand die Kundgebung im Garten eines türkischen Restaurants namens Türkis statt. Während FPÖ-Funktionäre Döner aßen und Rakı tranken, versprachen sie am Rednerpult das Gegenteil – ein Beispiel für die Spannungen zwischen Ideologie und Praxis.

Von Rechtspopulismus zu harten Migrationspolitiken
Die FPÖ hat ihre migrationsfeindliche Agenda weiter verstärkt. Parteichef Herbert Kickl sprach von „homogener Gesellschaft“, „geschlossenen Grenzen“ und einer Verschärfung der Migrationspolitik. Anfang 2025 forderte die Partei im Parlament unter anderem ein „echtes Asylstopp“ und eine „Null-Asyl-Quote“. Auch das Konzept der Remigration, also die Rückführung von Migrant:innen, wurde prominent diskutiert – eine Idee, die in der türkischstämmigen Community Besorgnis über Diskriminierung und Ausgrenzung auslöste.

Sorge und Alarm in der türkischen Community
Der Aufstieg der FPÖ löste in der türkischstämmigen Bevölkerung Alarm aus. Besonders langjährig eingewanderte oder in Österreich aufgewachsene Personen äußerten Sorge über zunehmende migrations- und islamfeindliche Rhetorik. Auch wenn gesetzliche Regelungen oft unverändert bleiben, schafft die FPÖ gesellschaftliche Spannungen und Polarisierung.

Warum Türken FPÖ wählen
Trotz der klar migrationsfeindlichen Haltung der FPÖ unterstützen einige türkischstämmige Wähler:innen die Partei weiterhin. Die Gründe liegen nicht in Integrationserfolgen, sondern in konservativen Werten, nationalistischen Reflexen und Protestwahlen.

Viele fühlen sich von der „liberalen“ und „multikulturellen“ Gesellschaft Österreichs entfremdet und sehen in der FPÖ eine Verteidigung von Familie, Ordnung, Sicherheit und Autorität. Für sie ist die FPÖ weniger migrationsfeindlich als vielmehr ein Instrument gegen linke, elitäre und systemische Strukturen.

Zudem spielt das Gefühl von Doppelstandards eine Rolle: Diskriminierung wird oft nicht als exklusives Problem der FPÖ, sondern als Teil der österreichischen politischen Realität gesehen. Dieses „bereits ausgegrenzt“-Gefühl erleichtert die Unterstützung einer offen ausgrenzenden Partei.

Die Widersprüche bleiben
Die Unterstützung birgt jedoch eine klare Spannung: FPÖ-Programme wie „Remigration“ oder die Abschiebung von nicht integrierbaren Personen richten sich auch gegen in Österreich geborene türkischstämmige Bürger:innen. Die Wahlentscheidung dieser Wähler:innen ist daher weniger Ausdruck eines Integrationserfolgs als Ergebnis politischer Empörung und Identitätskonflikten.| ©DerVirgül

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