Heute weiß ich nicht, wie viele Jahre ich nun alt bin
Letztes Jahr am 5. Februar habe ich mich euch gegenüber so verhalten, als würde ich mich im Sinne der dialektischen Gegensätze des Unbekannten verabschieden, doch da der Tod in mir keine Entsprechung fand, habe ich – wenn auch opportunistisch – das Leben gepriesen und das kühne Urteil gefällt: „Der Mensch muss um das Leben kämpfen.“
Ich, der die Erwartungen aller, dass ich „gestorben sei oder sterben werde“, zunichtegemacht hat, öffnete nach meiner Gehirnblutung am Morgen nach einer achtstündigen Operation erneut die Augen zum Leben. Weder ein Wunder noch Zufall – nur ein hartnäckig verschobener Abschied.
Mein Körper konnte nun keine schweren Arbeiten mehr leisten; meine Hände und Schultern gehorchten mir nicht.
Zwei Drittel meines Einkommens waren verloren, die konkrete Last des Lebens lastete auf meinen Schultern, doch Virgül stand weiterhin aufrecht.
Weder große Werke noch prunkvolle Erfolge waren nun unsere Priorität; unsere Priorität war, standhaft zu bleiben.
Standhaft zu bleiben bedeutete, sowohl unsere eigenen Grenzen zu akzeptieren als auch unsere Haltung hartnäckig zu bewahren.
Ich habe vier Söhne…
Was ich ihnen hinterlasse, ist eher eine menschliche Verhaltensweise als Geld oder Ruhm; ein Weg fern von Rassismus und Vorurteilen. Ich bin stolz auf sie. Es reicht nicht, dass sie in den größten Prüfungen des Lebens aufrecht geblieben sind; die Fähigkeit, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden und die Menschlichkeit zu bewahren, ist ebenso wertvoll. Dass sie mir dies gezeigt haben, verdient meinen unendlichen und unerschütterlichen Respekt.
Trotz all dieser persönlichen Prüfungen und Verluste steht Virgül weiterhin aufrecht.
Mein Körper, mein Einkommen und meine Zeit sind begrenzt; doch wir haben unsere journalistischen Prinzipien nicht verraten.
Jeden Tag müssen wir uns damit begnügen, vor dem Computer das Bestmögliche zu tun, doch wir bewahren unseren Widerstand.
Trotz allem am Leben bleiben | Heute ist mein Geburtstag
Nicht aufzugeben und standhaft zu bleiben ist nun unsere Lebensweise.
Überleben ist kein Glück, sondern bewusster Widerstand…
Dieser Widerstand hält sowohl mich als auch die Werte, die ich hinterlasse, aufrecht.
Und ich sage:
Solange Deniz, Boran, Baran, Ege, Yağmur, Esra, Sevil und tausende Leser*innen von Virgül existieren, wird Virgül weiter gelesen werden…
Verweigern Sie sich Virgül nicht… | © DerVirgül