Beschwerden über Taxis am Wiener Hauptbahnhof: Fahrgast zahlt 85 Euro nach Baden
Am Wiener Hauptbahnhof sind erneut Beschwerden über hohe Fahrpreise und mutmaßlich unzulässige Praktiken bei Taxis aufgetaucht. Fahrgäste berichten unter anderem, dass manche Taxifahrer sich weigern, den Taxameter einzuschalten, hohe Pauschalpreise verlangen und Fahrgäste zu bestimmten Fahrzeugen dirigiert werden. Nun berichtet ein weiterer Fahrgast von einer ähnlichen Erfahrung.
Ein Kellner, der in einem türkischen Restaurant in Wien arbeitet und den Bericht gelesen hat, schilderte DerVirgül seinen eigenen Vorfall, der sich vor zwei Tagen ereignet haben soll.
Nach seinen Angaben nahm er ein Taxi vom Taxistand am Wiener Hauptbahnhof zu einer Adresse in der Nähe des Bahnhofs Baden und musste für die Fahrt 85 Euro bezahlen. Der Taxifahrer soll während der Fahrt den Taxameter nicht eingeschaltet haben. Der Fahrpreis wurde am Ende der Fahrt als Pauschalbetrag festgelegt.
Sind 85 Euro für eine Fahrt nach Baden normal?
Nach Angaben des Fahrgastes schaltete der Fahrer den Taxameter überhaupt nicht ein. Da der Fahrgast nicht bemerkte, dass der Taxameter nicht aktiviert war, musste er am Ende der Fahrt die geforderten 85 Euro bezahlen.
Die Entfernung zwischen dem Wiener Hauptbahnhof und Baden beträgt etwa 30 Kilometer. Bei wenig Verkehr dauert die Fahrt ungefähr 27 Minuten.
Nach aktuellen Berechnungen für Taxifahrten ergibt sich für diese Strecke ein Betrag von etwa 43 Euro. Dabei werden ein Grundpreis von rund 4,90 Euro sowie etwa 1,50 Euro pro Kilometer zugrunde gelegt.
Der tatsächliche Fahrpreis kann jedoch je nach Verkehrslage, Wartezeit, möglichen Zuschlägen und den konkreten Bedingungen der Fahrt variieren. Die genannten 43 Euro sind daher nicht als verbindlicher Tarif, sondern lediglich als Richtwert zu verstehen.
Die Schilderung des Fahrgastes ähnelt früheren Beschwerden über die Taxipraxis am Wiener Hauptbahnhof. Der konkrete Vorfall beruht derzeit jedoch ausschließlich auf der persönlichen Aussage des Fahrgastes und konnte nicht unabhängig verifiziert werden.
Auch für eine Fahrt nach Grinzing wurden 85 Euro verlangt
Wie die österreichische Tageszeitung Die Presse berichtete, wollte eine Frau vor Kurzem gemeinsam mit ihren Nichten vom Wiener Hauptbahnhof nach Grinzing fahren. Für die Fahrt, die normalerweise etwa 30 Euro kosten sollte, wurden von ihr 85 Euro als Pauschalpreis verlangt.
Als die Frau darauf bestand, dass der Taxameter eingeschaltet wird, sollen einige Fahrer die Fahrt abgelehnt haben. Als Begründung wurde demnach zu viel Gepäck angegeben. Die Familie wurde schließlich von einem anderen Taxifahrer zum gesetzlichen Tarif nach Grinzing gebracht.
Damit fällt bei zwei unterschiedlichen, zuletzt bekannt gewordenen Fällen jeweils ein Pauschalpreis von 85 Euro auf.
Beschwerden bestehen seit Jahren
Die Beschwerden über Taxis rund um den Wiener Hauptbahnhof sind nicht neu.
Insbesondere auf Internetplattformen wie Reddit berichten Nutzer von ähnlichen Erfahrungen mit hohen Preisforderungen, der Auswahl von Fahrgästen und Personen, die Reisende zu bestimmten Taxis dirigieren.
Auch das Taxi-Zentrum 40100 bestätigt, dass es immer wieder Beschwerden über den Bereich erhält. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass manche Taxifahrer, die sich an die Regeln halten, den Taxistand vor dem Bahnhof wegen der wiederkehrenden Probleme nicht mehr nutzen möchten.
Wie werden Taxifahrten in Wien berechnet?
Bei Fahrten, die an einem Taxistand aufgenommen werden, muss der Fahrpreis in Wien über den Taxameter berechnet werden.
Ein Pauschalpreis ist grundsätzlich möglich, wenn die Fahrt zuvor telefonisch oder über eine App bestellt wurde. Auch in diesem Fall muss der Preis innerhalb der gesetzlichen Vorgaben liegen.
Wenn ein Fahrgast also direkt am Taxistand vor dem Bahnhof in ein Taxi einsteigt und der Fahrer ohne vorherige Reservierung einen hohen Pauschalpreis verlangt, stellt sich die Frage nach der Zulässigkeit einer solchen Forderung.
Kontrollen wurden verstärkt
Die Taxi-Innung der Wirtschaftskammer Wien räumt ein, dass es in der Branche einige „schlechte Beispiele“ gibt. Beschwerden würden regelmäßig überprüft.
Seit Juli 2024 müssen in allen Taxis Informationen über die Rechte der Fahrgäste sowie ein QR-Code für die Abgabe einer Bewertung gut sichtbar angebracht sein.
Auch die Finanzpolizei führte zuletzt Kontrollen rund um den Wiener Hauptbahnhof durch. Dabei wurden unter anderem Fahrzeuge wegen offener Steuerschulden beschlagnahmt. Außerdem soll eine Person festgenommen worden sein, die nicht sozialversichert war.
Für die Kontrolle der Taxitarife ist jedoch nicht die Finanzpolizei, sondern die Stadt Wien zuständig.
Worauf sollten Fahrgäste achten?
Experten empfehlen insbesondere Fahrgästen, die an einem Taxistand in ein Fahrzeug einsteigen, vor Beginn der Fahrt darauf zu achten, dass der Taxameter eingeschaltet ist.
Verlangt ein Fahrer einen hohen Pauschalpreis oder lehnt er eine Fahrt ohne nachvollziehbaren Grund ab, sollte möglichst ein anderes Taxi gewählt oder ein Fahrzeug telefonisch beziehungsweise über eine App bestellt werden.
Der aktuelle, von einem Fahrgast geschilderte Vorfall am Wiener Hauptbahnhof zeigt, dass es sich bei den Problemen offenbar nicht nur um Beschwerden in Zeitungsartikeln oder Internetforen handelt. Auch Menschen, die in Wien leben und arbeiten, berichten von ähnlichen Erfahrungen.
Hinweis: Die Angaben zur 85-Euro-Fahrt nach Baden beruhen auf der persönlichen Schilderung des von DerVirgül kontaktierten Fahrgastes. |© DerVirgül