Diskriminierung von Muslimen in Österreich? Das gesamte Bild – von Moscheen und staatlicher Unterstützung bis zu religiösen Verbänden und Politik

Diskriminierung von Muslimen in Österreich? Das gesamte Bild – von Moscheen und staatlicher Unterstützung bis zu religiösen Verbänden und Politik

| Adem Hüyük

Wenn in Österreich über eine mögliche Diskriminierung von Muslimen diskutiert wird, reicht es nicht aus, das Thema ausschließlich anhand des Kopftuchverbots oder politischer Aussagen zu betrachten. Auch die religiöse Struktur des Landes, die Verteilung der Gebetsstätten, die öffentliche Finanzierung des islamischen Religionsunterrichts sowie staatliche Unterstützungen für muslimische Religionsgemeinschaften müssen in die Betrachtung einbezogen werden.

Die große Mehrheit der Österreicher ist historisch mit der römisch-katholischen Kirche und der entsprechenden religiösen Tradition verbunden. Gleichzeitig zeigen die Größe der muslimischen Bevölkerung und die Verbreitung ihrer religiösen Einrichtungen eine weitere gesellschaftliche Realität.

Nach einer Berechnung von Der Virgül, die auf von den jeweiligen Religionsgemeinschaften veröffentlichten Zahlen basiert, gibt es in Österreich bei rund 4,91 Millionen Katholiken bzw. Christen etwa 3.500 Kirchen. Dem stehen bei rund 700.000 Muslimen etwa 572 Moscheen gegenüber.

Hinweis: Bei der genannten Zahl der Kirchen handelt es sich ausschließlich um katholische Kirchen. Orthodoxe und protestantische Kirchen sind in dieser Zahl nicht enthalten.

Setzt man diese Zahlen ins Verhältnis zur jeweiligen Bevölkerungsgröße, kommt auf etwa 1.400 Katholiken bzw. Christen eine Kirche, während auf etwa 1.223 Muslime eine Moschee kommen.

Dieser Vergleich zeigt, dass Moscheen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl einen bedeutenden Teil der religiösen Infrastruktur in Österreich bilden. Wer die Situation von Muslimen in Österreich beurteilen will, sollte sich daher nicht ausschließlich auf die Frage konzentrieren, ob Muslime diskriminiert werden, sondern auch die anderen Seiten der gesellschaftlichen und institutionellen Realität betrachten.

Dabei geht es nicht nur um Moscheen. Auch die öffentliche Finanzierung der Gehälter von Lehrkräften für den islamischen Religionsunterricht sowie jährliche staatliche Unterstützungen für muslimische Religionsgemeinschaften und Moscheevereine gehören in diesen Zusammenhang. Offizielle Unterlagen, die Der Virgül vorliegen, ermöglichen es, das finanzielle und institutionelle Verhältnis zwischen dem Staat und muslimischen Religionsorganisationen genauer zu untersuchen.

Auf der anderen Seite stehen Maßnahmen wie das Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren, das seit dem Schuljahr 2026/27 an österreichischen Schulen gilt und aus Sicht von Kritikern Fragen hinsichtlich der Religionsfreiheit aufwirft.

Diese Kritik und die zuvor genannten staatlichen Unterstützungen sowie die Verbreitung religiöser Einrichtungen schließen einander nicht aus.

Im Gegenteil: Eine objektive Betrachtung erfordert, all diese Realitäten gleichzeitig zu berücksichtigen.

Hinzu kommt die interne Struktur der muslimischen Gemeinschaft in Österreich. Unterschiedliche religiöse Organisationen mit Verbindungen zur Türkei – darunter Süleymancı-, Milli-Görüş- und Nur-Gemeinschaften, Diyanet-nahe Strukturen sowie mit der Bewegung von Fethullah Gülen verbundene Organisationen – sind in Österreich in unterschiedlichen Formen organisiert. Sie haben Vereine und Verbände gegründet. Einige dieser Strukturen haben zudem größere Immobilien erworben und Bildungs- beziehungsweise Internatsprojekte entwickelt.

Allerdings wäre es falsch, all diese Organisationen in dieselbe Kategorie einzuordnen. Ihre jeweiligen Beziehungen zur Türkei, ihre Finanzierung, ihre institutionellen Strukturen und ihre Aktivitäten in Österreich müssen getrennt voneinander untersucht werden.

Damit beschränkt sich die Frage nicht allein darauf:

„Wie behandelt Österreich seine muslimische Bevölkerung?“

Genauso müssen weitere Fragen gestellt werden:

In welchen Bereichen unterstützt der österreichische Staat das religiöse Leben der Muslime und in welchen Bereichen setzt er Grenzen? Wie sind muslimische Religionsorganisationen in Österreich strukturiert? Und welchen institutionellen und wirtschaftlichen Einfluss haben religiöse Organisationen mit Verbindungen zur Türkei in Österreich?

Warum ist politische Teilhabe wichtig?

Eine weitere Dimension der Debatte über Muslime in Österreich ist die politische Repräsentation. In einem Umfeld, in dem Themen wie Migration, Religion, Kopftuch und Sicherheit von politischen Parteien auch im Rahmen populistischer Diskurse aufgegriffen werden können, bedeutet ein Rückzug muslimisch geprägter Bürger aus der Politik, dass andere über Themen bestimmen, die sie selbst unmittelbar betreffen.

Deshalb ist es unabhängig davon, welche Partei muslimischstämmige Bürger wählen, wichtig, dass sie sich stärker am demokratischen Prozess beteiligen, die Programme und Positionen der Parteien verfolgen, selbst kandidieren, in politischen und gesellschaftlichen Vertretungsstrukturen mitwirken und von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.

Denn politische Teilhabe bedeutet nicht, eine bestimmte politische Entscheidung vorzugeben. Entscheidend ist vielmehr, dass Wählerinnen und Wähler informiert, bewusst und aktiv am demokratischen Prozess teilnehmen.

Muslimische Bürger sollten daher nicht nur Gegenstand der politischen Debatte über sie sein, sondern ebenso aktive Akteure der demokratischen Politik.

Aus Sicht von Der Virgül bedeutet objektiver Journalismus, nicht nur eine Seite dieser Fragen zu betrachten, sondern alle diese Aspekte innerhalb einer gemeinsamen Recherche zu untersuchen. | ©DerVirgül

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