Wir sind keine bloßen Zahlen in Statistiken
Die Aufnahme in die Statistiklisten staatlicher Behörden ist für einen Migrantin weit mehr als nur eine Zahl. Diese Listen mögen so aussehen, als machten sie das Dasein von Migrantinnen sichtbar, doch in Wahrheit fungieren sie als ein kontinuierlicher Mechanismus der Kontrolle und Überwachung. Jede Zunahme oder Abnahme wird im Leben der Migrantinnen zu einem Zeichen von Sicherheit, Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Akzeptanz.
Es gibt die Angst vor Zunahme: Wenn eine Gemeinschaft wächst, betrachten manche dies als „zu viel“; sie interpretieren es als Bedrohung für Ressourcenverteilung, Arbeit und soziales Gleichgewicht. Es wird kaum hinterfragt, wer von sozialen Unterstützungen profitiert – meist scheint es, als profitierten immer „nur sie“.
Die Angst vor Abnahme ist das genaue Gegenteil: Wenn die Zahl sinkt, schwächt sich die Repräsentationskraft der Gemeinschaft, das Zugehörigkeitsgefühl und die gesellschaftliche Unterstützung schwindet. Menschen werden stumm, ihre Rechte zurückgezogen, ihre gesellschaftliche Sichtbarkeit verschwindet. Jede sinkende Zahl wird als Verlust, jede steigende Zahl als ungewisse Bedrohung empfunden.
Für Migrant*innen bedeutet das Leben zwischen diesen beiden Ängsten eine permanente Balance: sichtbar sein, aber nicht zu sehr; seine Stimme erheben, aber nicht in Frage gestellt werden. Statistiken werden so nicht länger bloß zu Zahlen, sondern zu einem psychologischen Druck- und Grenzbestimmungsinstrument.
Jede Zahl ist ein Maß, eine Akzeptanz oder Ablehnung. Jede Zahl hallt im Gedächtnis der Migrantinnen nach; sie wird zu einer Sorge, zu Ungewissheit und zur Last. Während Migrantinnen nur existieren und anerkannt werden möchten, erinnern diese Statistiken sie ständig daran: Dein Platz wird gemessen, deine Grenze wird gezogen.
Und es darf nicht vergessen werden:
Wir sind keine bloßen Zahlen in den Statistiken.
Wir sind Geschichten, die sich nicht in Zahlen fassen lassen.
Unsere Gedanken, unser Schmerz und unser Kampf stehen jenseits aller Zahlen.
Unsere Messgröße ist allein unser eigenes Gewissen.
Vom antiken Athen nach Wien: Vermächtnis der Demokratie
Die Säulen und Giebel des österreichischen Parlamentsgebäudes sind zwar keine direkte Kopie der Akropolis, doch jede Linie und jede Säule grüßt das demokratische Erbe Athens. Das Gebäude ist nicht nur ein Symbol von Gesetzen, sondern auch von Freiheit und öffentlicher Verantwortung.
Diejenigen, die uns Demokratie lehren, mögen sie gerne so darstellen, als hätten sie sie selbst erfunden; doch können sie die Wahrheit nicht verändern: Vor zweitausend Jahren entschied das athenische Volk, ob es gegen die persische Armee kämpfen oder sich ergeben sollte, indem es schwarze und weiße Steine in einen Korb warf. Trotz anderer Einflüsse und trotz eines persischen Heeres von 80 000 Soldaten und Hunderten von Kriegselefanten errang eine athenische Streitmacht von 30 000 den Sieg. Sie übernahmen die Verantwortung für ihre Freiheit und die Gestaltung ihres Schicksals selbst. Was uns heute als Lektion vermittelt wird, ist in Wirklichkeit das Echo ihres kollektiven Mutes.
Wir wollen wie sie:
Unsere Verantwortung für Freiheit und Selbstbestimmung in unsere eigenen Hände nehmen. | ©DerVirgül