Virgül’s neuntes Jahr | Der Name einer Geschichte und Solidarität

Adem Hüyük, Avusturya'nın Viyana kentinde yaşayan Türk gazetecidir. Gazetecilik kariyerinde, Avusturya'daki Türk toplumu, göçmen politikaları ve Avrupa'daki Türk diasporası üzerine analizler kaleme almıştır. ****Deutsch: Adem Hüyük ist ein türkischer Journalist, der in Wien, Österreich lebt. In seiner journalistischen Laufbahn hat er Analysen über die türkische Gemeinschaft in Österreich, Migrationspolitik und die türkische Diaspora in Europa verfasst.

Wir können unseren Autor:innen, die seit neun Jahren unentgeltlich Kolumnen für Virgül schreiben, sowie allen freiwilligen Reporter:innen, die Nachrichten, Fotos und Videos teilen—[unseren Freund:innen]—nicht genug danken. Schön, dass es euch gibt.

Ich beginne mit der Antwort auf die häufig gestellte Frage: „Warum Virgül?“ Virgül verbindet Ereignisse, ohne etwas zu bewerten. Durch diese Verbindung hinterfragt das Subjekt sein Prädikat. Eine konsistente Logik, der Versuch, Theorie und Praxis zu verbinden, die Bedeutung zu stärken, Akzente zu setzen und vor allem nichts zu beenden… all das verleiht Virgül einen revolutionären Geist.

Neun Jahre lang haben wir versucht, nicht zum Werkzeug der Politik zu werden und unabhängig zu bleiben. Unser Ziel war nicht, die richtige Frage zu stellen, sondern die richtige Antwort zu finden. Wenn wir gescheitert sind, sind wir bereit, den Preis zu zahlen.

Der Name und die Geschichte von Virgül
Boran, 15 Jahre alt, zeichnete unser Logo. Deniz, 18 Jahre alt, und Saadet, Mutter von zwei Kindern, diskutierten, ob der Name eine wissenschaftliche Bedeutung hat. Schließlich kamen sie zu folgender Erkenntnis: Wissenschaft ist kontinuierlich; sie setzt keinen Punkt. Ideen sind nicht statisch; durch das Setzen eines Kommas zwischen den Parteien kann ein gemeinsamer Raum gefunden werden. So wurde Virgül zum Namen für Wissenschaft, Diskussion und Kontinuität.

Meine jüngste Sohnesmutter İrem verfolgte den ganzen Tag die sozialen Medien und leitete mir wichtige Beiträge während der Arbeit weiter. Wenn ich sagte: „Das hat keinen Nachrichtenwert“, war ihre Begeisterung zerstört. Deshalb habe ich es als Nachricht weitergegeben. Denn jedes Mal, wenn İrem Nachrichten las, kam sie dem Journalismus einen Schritt näher.

Esra Can trat vor neun Jahren aus der Türkei bei; sie hat niemals aufgegeben. Yağmur Avcı liebt Virgül noch mehr als ich. Wir danken auch unseren Freund:innen und Kolleg:innen in der österreichischen Medienlandschaft, Duygu und Naz. Özden Çelik, der meine impulsiven Ausbrüche bremst und mir gegenüber beschützend ist, weil er weiß, dass ich allein lebe, danke ich dir. Necmi Kavaklı, der mir aufmerksam zuhört, mich trotz Altersunterschied nie verletzt, danke ich ebenfalls. Den Freund:innen, die sich um meine Einsamkeit sorgen, danke ich…

Es gibt auch Freund:innen, die nicht namentlich genannt werden möchten—bleibt weiterhin da.

Der Entstehungsgrund von Virgül
Für Menschen mit türkischem Migrationshintergrund ist Österreich das schwierigste Land innerhalb der Europäischen Union. Wir sind in Bezug auf Bildung und qualifizierte Arbeitskräfte zurückgeblieben. Wir glaubten, dass Medien, Politik und NGOs die neue Generation anführen sollten. Denn in Österreich gibt es kein „Fremdenproblem“; es gibt Probleme der Ausländer. Damit türkischstämmige Migrant:innen aus der Kategorie „da, aber nicht existent“ herauskommen, mussten sie Zugang zu Kommunikationsmitteln haben und diese richtig nutzen. Dies war einer der Gründe für die Entstehung von Virgül.

Vor neun Jahren schrieb ich in einer Kolumne:
„Damit wir dies tun können, dürfen wir uns nicht vom Einfluss der Politik und der Autorität leiten lassen. Nur ihr könnt uns vor dem wirtschaftlichen Druck der Politik und der Autorität schützen.“
Aber es hat nicht funktioniert…

Virgül war den Versuchen einiger Menschen ausgesetzt, die sich auf politische Macht stützten, uns zu diskreditieren. Sogar Leute, die nie Inhalte produzierten, traten uns als „Journalist:innen“ gegenüber. Als wir nicht die erwartete Unterstützung unserer Leser:innen erhielten, fragten wir uns: „Wo machen wir einen Fehler?“

Gesundheit und Verantwortung
Letztes Jahr erlitt ich während des Schreibens eines Artikels eine Gehirnblutung. Nach einer achtstündigen Operation klammerte ich mich wieder ans Leben. Lesen, Aufregung, viel Sprechen oder schnelles Denken sind mir nun verboten. Als ich auf der Intensivstation lag, sagten sie mir, dass dutzende Menschen mich besuchen wollten. Selbst unbekannte Leser:innen waren gekommen. Ich bat die Ärzt:innen um mein Telefon: „Wenn ich kurze Nachrichten schreibe, kann ich verhindern, dass Menschen hierher kommen“, sagte ich. Sie gaben es mir. Ich habe es nicht zurückgegeben. Zwölf Tage lang versuchte ich, aus der Intensivstation Nachrichten weiterzugeben. Jetzt lache ich über mich selbst… aber das ist Liebe.

Nach der Krankheit konnte ich meinen Beruf nicht mehr ausüben und war auf Arbeitslosengeld angewiesen. Mein Lebensstandard hat sich geändert, aber diese Schwierigkeit war überwindbar. Das Wichtigste war, dass der Nachrichtenfluss von Virgül weiterging. Aufgrund meiner Gesundheit kann es vorkommen, dass ich drei Tage lang keine Nachrichten schreiben kann. Nicht aus Lust, sondern aus Verantwortungsbewusstsein.

Marx, Engels und Virgül
Während ich darüber nachdachte, was ich für Virgül schreiben sollte, das nun neun Jahre alt ist, kehrte ich zu einem Buch zurück, das ich 1998 gelesen hatte. Ich hatte einige Absätze unterstrichen. Ich unterstreiche gerne Sätze in Büchern, Zeitungen oder Zeitschriften, um nachfolgenden Leser:innen ihre Wichtigkeit zu zeigen.

Ein Auszug aus dem Buch:
„Weißt du, ich habe keinen Cent, um meine täglichen Ausgaben zu decken. Meine Situation ist schlimmer als je zuvor… Ich habe keinen Tabak, keinen Kaffee, die Miete ist überfällig, die Kinder sind krank. Unter diesen Bedingungen weiß ich nicht, wie ich arbeiten soll.“

Ein Satz aus Das Feuer stehlen ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben:
„Philosophen haben die Welt nur interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“

Damals verstand ich Marx’ Das Kapital noch nicht, aber dieser Satz prägte sich in mein Gehirn ein.
Wenn Feuer in der Mythologie Erleuchtung symbolisiert, steht es bei Marx für Klassenbewusstsein.
Marx konnte das Kapital nur mit Engels’ langjähriger materieller Unterstützung schreiben. Das Kapital ist nicht nur ein Theorie-Buch; es ist ein historisches Zeugnis von Freundschaft und Solidarität.

Heute versuchen Freund:innen aus meinem Umfeld, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Virgül sehen, Virgül wie Engels Marx zu unterstützen. Selbst Menschen mit völlig gegensätzlichen Ansichten stehen an unserer Seite und sagen: „Virgül muss bestehen bleiben.“

Die Bedeutung von Virgül
Und eine unerwartete Freundin erinnerte mich daran:
„Du hast vor der Operation deine Kinder deiner Schwester anvertraut… Aber du hast noch etwas anderes anvertraut: Virgül.“

Ich, Adem Hüyük, sehe das Überleben von Virgül genauso wichtig wie mein eigenes Leben. Virgül wird niemals zu einem Punkt werden, solange ihr lest.

Wir machen Fehler. Konstruktive Kritik ist wichtig. Aber vergesst nicht: Eine Zeitung kann keine Nachrichten nach dem Willen der Leser:innen machen.
Ihr müsst Virgül nicht lieben. Virgül braucht das auch nicht… es braucht, gelesen zu werden.
Es sollte bedacht werden, dass nicht die Zeitung ihre Leser:innen braucht, sondern die Leser:innen die Zeitung.

Mein größter Wunsch ist es, noch viele Jahre Nachrichten, Inhalte, Kolumnen, Kommentare und Analysen für euch zu schreiben…

Ich habe zwei Bitten: Mein fertiggestelltes Buch nach meinem Tod zu veröffentlichen und das Buch, das ich gerade schreibe, fertigzustellen und signiert euch zu übergeben.

Abschließend: Sogar die Ministerien des österreichischen Staates lesen Der Virgül. Jetzt seid ihr an der Reihe… | ©DerVirgül

Yayınlama: 29.11.2025
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