Österreich | Was erschwert die Integration von Menschen türkischer Herkunft?
Von Adem Hüyük
Was sind die größten Hindernisse für die Integration von Menschen türkischer Herkunft in Österreich? Sind es religiöse Institutionen, Bildungsbenachteiligungen, Diskriminierung oder die jahrzehntelang verfolgten Migrationspolitiken Österreichs und der Türkei?
In den 1990er-Jahren entschieden sich nur vergleichsweise wenige Staatsbürgerinnen und Staatsbürger der Republik Türkei für die österreichische Staatsbürgerschaft. In meinem damaligen persönlichen Umfeld war die Zahl jener Menschen türkischer Herkunft, die eingebürgert wurden, sehr gering.
Ein wesentlicher Grund dafür lag in der Haltung bestimmter konservativer und nationalistischer Milieus. Der Erwerb der österreichischen Staatsbürgerschaft wurde von manchen nicht als rechtlicher Schritt, sondern als eine Frage der Identität betrachtet. Für einige bedeutete die Einbürgerung vermeintlich eine Abkehr von der eigenen Herkunft, von der ursprünglichen Zugehörigkeit oder sogar einen „Verrat“.
Menschen, die sich dennoch für die österreichische Staatsbürgerschaft entschieden, wurden in manchen Kreisen kritisch betrachtet. Politische Einstellungen, nationale Zugehörigkeitsvorstellungen und persönliche Identitätsfragen vermischten sich miteinander und führten zu neuen gesellschaftlichen Abgrenzungen.
Auch die österreichische Aufenthaltspolitik jener Zeit war eine andere als heute. Befristete Aufenthaltsgenehmigungen, die in Form von Aufklebern in den Reisepass eingetragen wurden, gehörten für viele Migrantinnen und Migranten zum Alltag.
Als ich damals bei der Bezirkshauptmannschaft einen zweijährigen Aufenthaltstitel beantragte, wurde ich gefragt, warum ich nicht die österreichische Staatsbürgerschaft annehmen würde. Man erklärte mir, dass ich jederzeit die Möglichkeit hätte, einen Antrag auf Einbürgerung zu stellen.
Ich lehnte ab.
Unter dem Einfluss meines damaligen sozialen Umfelds betrachtete ich den Wechsel der Staatsbürgerschaft in meiner Jugend als einen möglichen Verlust meiner Identität. Jahre später erlebte ich jedoch, dass einige jener Personen, die eine solche Entscheidung früher am stärksten kritisiert hatten, selbst – ohne große öffentliche Diskussion – die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen hatten.
Warum ist diese persönliche Erfahrung heute noch relevant?
Weil sie auf eine grundlegende Frage verweist, die bis heute diskutiert wird:
Welche Faktoren erschweren tatsächlich die Integration von Menschen türkischer Herkunft in Österreich?
Die Antwort darauf kann nicht ausschließlich bei religiösen Einrichtungen, politischen Organisationen oder den individuellen Entscheidungen der Migrantinnen und Migranten gesucht werden. Die Ursachen liegen auch in historischen Entwicklungen, in den Migrationspolitiken beider Länder, in gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und in den unterschiedlichen Erwartungen zwischen Mehrheitsgesellschaft und migrantischen Gemeinschaften.
Um diese Frage umfassend zu verstehen, muss zunächst betrachtet werden, wie die Arbeitsmigration aus der Türkei nach Österreich entstanden ist und unter welchen Bedingungen die erste Generation ihr Leben in diesem Land organisierte.
Die persönliche Geschichte einzelner Menschen ist dabei Teil eines größeren gesellschaftlichen Prozesses. Die nach Österreich gekommenen Arbeitsmigrantinnen und -migranten standen nicht nur vor Herausforderungen am Arbeitsmarkt und bei der Wohnraumsuche. Sie mussten sich auch mit Fragen der Identität, der Zugehörigkeit und der sozialen Unterstützung auseinandersetzen.
Die erste Generation, die in einem fremden Land eine neue Existenz aufbauen wollte, schuf mit der Zeit eigene soziale Netzwerke. Eine zentrale Rolle spielten dabei Vereine.
Die ersten Organisationen entstanden vor allem aus dem Bedürfnis nach Solidarität, gegenseitiger Hilfe, kulturellem Austausch und der Pflege von Beziehungen zur ursprünglichen Heimat. Im Laufe der Jahrzehnte wurden diese Strukturen jedoch zunehmend auch von politischen, ideologischen und religiösen Entwicklungen aus der Türkei geprägt.
Welche gesellschaftlichen Strukturen haben Menschen türkischer Herkunft in Österreich aufgebaut?
Seit den 1970er-Jahren entwickelten sich die von Menschen türkischer Herkunft gegründeten Vereine in Österreich zu mehr als bloßen Treffpunkten für Migrantinnen und Migranten. Sie wurden auch zu Orten, an denen politische und gesellschaftliche Konfliktlinien aus der Türkei sichtbar wurden.
Linke Organisationen, nationalistische Gruppen, kurdische Vereine, religiöse Gemeinschaften und alevitische Einrichtungen fanden innerhalb der türkischstämmigen Bevölkerung Österreichs eigene Ausdrucksformen und Organisationsmöglichkeiten.
Diese Entwicklung hatte zwei Seiten: Einerseits stärkten diese Strukturen die Selbstorganisation und die soziale Unterstützung innerhalb der migrantischen Gemeinschaften. Andererseits führten die unterschiedlichen politischen und ideologischen Ausrichtungen auch zu neuen Trennlinien. Eine gemeinsame gesellschaftliche Interessenvertretung und eine übergreifende Identität als Migrantinnen und Migranten wurden dadurch erschwert.
Wer die heutigen Integrationsdebatten über Menschen türkischer Herkunft in Österreich verstehen möchte, muss daher nicht nur die aktuellen Herausforderungen betrachten. Ebenso wichtig ist der Blick auf die vergangenen sechs Jahrzehnte der Migration, Vereinsgeschichte und gesellschaftlichen Entwicklung.
Denn Integration ist kein einseitiger Anpassungsprozess. Sie entsteht dort, wo sowohl die aufnehmende Gesellschaft als auch die zugewanderten Menschen gemeinsame Räume schaffen, in denen Zugehörigkeit, Gleichberechtigung und gegenseitiger Respekt möglich werden.
Der Prozess der Vereinsbildung türkischstämmiger Migrantinnen und Migranten in Österreich
Um die heutige politische, kulturelle und gesellschaftliche Struktur der türkischstämmigen Gemeinschaft in Österreich zu verstehen, muss der Prozess der Vereinsbildung betrachtet werden, der sich seit den 1960er-Jahren entwickelt hat. Diese Vereine erfüllten einerseits die Bedürfnisse der Migrantinnen und Migranten nach Solidarität, kultureller Identität und sozialer Unterstützung. Andererseits entstanden sie auch als Ausdruck politischer, ideologischer und religiöser Spaltungen aus der Türkei, die sich in Europa widerspiegelten.
Insbesondere seit den 1970er-Jahren gründeten viele Vereine Verbindungen zu politischen Bewegungen, ideologischen Strömungen und religiösen Organisationen aus der Türkei auf unterschiedlichen Ebenen. Dadurch entstand die organisierte Struktur der türkischstämmigen Gemeinschaft in Österreich. Diese Entwicklung half den Migrantinnen und Migranten einerseits dabei, ihre eigene Identität zu bewahren. Andererseits wurde sie in bestimmten Fällen auch als ein Faktor betrachtet, der die Entwicklung einer stärker auf Österreich bezogenen gemeinsamen gesellschaftlichen Zugehörigkeit erschwerte.
Die erste Phase: Studenten- und Arbeiterorganisationen
1964 – Österreich-Türkischer Studentenverein (ATÖD)
Der Österreich-Türkische Studentenverein (ATÖD), einer der ersten linksorientierten Vereine von Menschen türkischer Herkunft in Österreich, wurde 1964 von türkischstämmigen Studierenden gegründet, die in Österreich eine Hochschulausbildung absolvierten.
Da zu dieser Zeit die Masseneinwanderung türkischer Arbeitskräfte aus der Türkei noch nicht begonnen hatte, nahm ATÖD eine andere Stellung ein als die später entstandenen Arbeitervereine. In den folgenden Jahren entstanden jedoch Verbindungen zwischen Studentenbewegungen und Arbeiterorganisationen, wodurch der Einfluss dieser Strukturen zunahm.
1968 – Türkischer Arbeiter- und Jugendverein Wien
Der Türkische Arbeiter- und Jugendverein Wien, der auch mit Unterstützung von Studierenden aus dem Umfeld des ATÖD gegründet wurde, gehörte zu den ersten bedeutenden Organisationen, in denen türkische Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Studierende in Österreich gemeinsam aktiv waren.
Ab diesem Zeitraum waren Vereine nicht mehr ausschließlich Orte sozialer Unterstützung, sondern wurden zunehmend auch zu Einrichtungen, in denen politische Diskussionen aus der Türkei ausgetragen wurden.
Politische und religiöse Organisationen seit den 1970er-Jahren
1978 – Türkischer Verband Österreich
Der Türkische Verband Österreich, eine der ersten rechtsnational orientierten Strukturen in Österreich, begann seine Aktivitäten im Zusammenhang mit Organisationen aus dem Umfeld der politischen Linie der türkischen Nationalistischen Bewegungspartei (MHP).
1978 – Türkisches Volkshaus Vorarlberg
Das in Vorarlberg gegründete Türkische Volkshaus war eine der frühen Organisationen der türkischstämmigen Gemeinschaft in Westösterreich.
1980 – Verband der Islamischen Kulturzentren
Die religiöse Organisation, die in der Öffentlichkeit häufig als „Süleymancılar“ bezeichnet wird, begann ihre Aktivitäten in Österreich bereits in den 1970er-Jahren und erhielt 1980 mit der Gründung des Verbandes der Islamischen Kulturzentren eine organisierte Struktur.
1982 – Österreichisch-Türkischer Freundschaftsverein
Dieser Verein wurde von Personen mit Nähe zur politischen Linie der Republikanischen Volkspartei (CHP) gegründet und gehörte zu den politisch-kulturellen Organisationen der türkischstämmigen Bevölkerung in Österreich.
1987 – Islamische Föderation Österreich
Die Islamische Föderation Österreich wurde als österreichische Struktur der Milli-Görüş-Bewegung gegründet. Die ersten europäischen Organisationsstrukturen der Milli-Görüş-Bewegung entstanden in den 1970er-Jahren in Deutschland und verbreiteten sich später in andere europäische Länder.
1989 – Österreichische Nur-Gemeinschaft
Strukturen aus dem Umfeld der Nur-Bewegung entstanden bereits früher in Europa. Die Organisationen dieser Bewegung in Österreich wurden jedoch erst gegen Ende der 1980er-Jahre deutlich sichtbar.
1989 – Alevitisch-Bektaşitischer Anatolischer Kulturverein
Dieser in St. Pölten, Niederösterreich, gegründete Verein stellte einen wichtigen Schritt für die organisierte Sichtbarkeit der alevitischen Identität in Österreich dar.
1990 – Türkisch-Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich (ATİB)
ATİB entwickelte sich seit seiner Gründung zu einer der einflussreichsten islamischen Organisationen in Österreich. Sie steht in Verbindung mit der türkischen Religionsbehörde (Diyanet İşleri Başkanlığı).
1991 – Wiener Alevitische Kulturgemeinschaft
Da ein großer Teil der alevitischen Bevölkerung Österreichs in Wien lebt, trug die Gründung dieses Vereins in der Hauptstadt wesentlich zur Stärkung der alevitischen Organisationsstrukturen bei.
1993 – Österreichische Nizam-ı Alem-Vereine
Die Nizam-ı Alem-Strukturen, die in Europa in Verbindung mit Bewegungen aus dem Umfeld der türkischen Großen Einheitspartei (BBP) organisiert wurden, begannen in den 1990er-Jahren auch in Österreich aktiv zu werden.
1995 – Österreichischer Verein für Atatürkistisches Denken
Diese Organisation wurde nach dem Vorbild des türkischen Vereins für Atatürkistisches Denken gegründet und gehörte zu den Strukturen, die säkulare und republikanische Positionen vertraten.
1998 – Föderation Demokratischer Arbeitervereine (DİDF)
Die in Deutschland gegründete DİDF begann auch in Österreich durch Aktivitäten in Arbeiter- und Studentenkreisen organisatorisch tätig zu werden.
Die 2000er-Jahre: Neue politische Organisationsformen
2001 – Verein zur Unterstützung internationaler Studentenaktivitäten
Diese Organisation, der Verbindungen zur Bewegung um Fethullah Gülen zugeschrieben werden, organisierte sich insbesondere über Bildungs- und Studentenaktivitäten. Nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 wurden die Strukturen dieser Bewegung in Europa ebenfalls Gegenstand politischer Diskussionen.
2004 – Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD)
Die in Deutschland gegründete UETD führte politische Aktivitäten für türkischstämmige Wählerinnen und Wähler in Europa durch. Später wurde der Name in Union Internationaler Demokraten (UID) geändert. Aufgrund ihrer engen Beziehungen zur Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) wurde die Organisation seit ihrer Gründung immer wieder politisch diskutiert.
2013 – CHP Österreich
Im Rahmen der neuen Organisationsstrukturen der Republikanischen Volkspartei (CHP) in europäischen Ländern wurde die CHP Österreich gegründet.
Allgemeine Bewertung
Der Prozess der Vereinsbildung türkischstämmiger Migrantinnen und Migranten in Österreich entstand zunächst aus dem Bedürfnis nach sozialer Unterstützung und gegenseitiger Solidarität. Im Laufe der Zeit entwickelte er sich jedoch zu einer vielschichtigen Struktur, in der sich auch die politische, ideologische und religiöse Vielfalt der Türkei in Europa widerspiegelt.
Diese Organisationen stärkten einerseits die sozialen Bindungen innerhalb der migrantischen Gemeinschaften. Andererseits führten sie in bestimmten Fällen auch dazu, dass politische Identitäten mit Ursprung in der Türkei in das gesellschaftliche Leben Österreichs übertragen wurden.
Um die Integrationsdebatten in Österreich verstehen zu können, reicht es daher nicht aus, ausschließlich aktuelle Herausforderungen zu betrachten. Ebenso notwendig ist der Blick auf die Geschichte der Vereinsbildung, die sich in den vergangenen sechs Jahrzehnten entwickelt hat.
Quelle: Der Text wurde unter Bezugnahme auf die Arbeit von Hüseyin Şimşek, „50 Jahre Migration von der Türkei nach Österreich“, erstellt.
Der Einfluss türkischstämmiger Organisationen auf die Integration in Österreich
Bei der Bewertung des Integrationsprozesses der türkischstämmigen Gemeinschaft in Österreich reicht es nicht aus, ausschließlich Indikatoren wie Sprachkenntnisse, Bildungsstand oder die Teilnahme am Arbeitsmarkt zu betrachten. Ebenso wichtig ist die Frage, in welchen sozialen Strukturen sich die migrantische Gemeinschaft organisiert hat, welche Identitäten durch diese Strukturen gestärkt werden und wie diese die Beziehung der Einzelnen zur Gesellschaft, in der sie leben, beeinflussen.
Die in den 1960er-Jahren beginnende Arbeitsmigration wurde zunächst als eine vorübergehende wirtschaftliche Bewegung betrachtet. Im Laufe der Zeit führte sie jedoch zur Entstehung einer dauerhaft in Österreich lebenden migrantischen Gesellschaft. Die in dieser Phase gegründeten Vereine erfüllten zunächst eine wichtige Funktion: Sie unterstützten Migrantinnen und Migranten bei ihren sozialen Bedürfnissen, boten Solidarität und halfen neu Zugewanderten bei der Orientierung in der neuen Umgebung.
Seit den 1970er-Jahren veränderten sich jedoch die Aufgaben und Strukturen vieler Vereine, da politische, ideologische und religiöse Konfliktlinien aus der Türkei zunehmend auch in die migrantischen Gemeinschaften Europas getragen wurden. Einige Organisationen blieben nicht mehr ausschließlich Orte kultureller Aktivitäten und sozialer Unterstützung, sondern entwickelten sich auch zu europäischen Ablegern politischer Bewegungen, religiöser Gemeinschaften oder ideologischer Strukturen mit Ursprung in der Türkei.
Die Auswirkungen geschlossener Gemeinschaftsstrukturen
Die Gründung eigener Institutionen durch Migrantinnen und Migranten schuf insbesondere für die erste Generation wichtige Räume des Vertrauens, der Unterstützung und der sozialen Sicherheit. Im Laufe der Zeit führte die Entstehung bestimmter abgeschlossener sozialer Milieus jedoch auch zu kontroversen Diskussionen hinsichtlich der Integration.
In solchen Strukturen kann es dazu kommen, dass:
- soziale Kontakte überwiegend auf Menschen mit ähnlichem Herkunftshintergrund beschränkt bleiben,
- der direkte Austausch mit der österreichischen Mehrheitsgesellschaft geringer ausfällt und das soziale Leben stärker innerhalb eigener Einrichtungen stattfindet,
- politische und gesellschaftliche Diskussionen aus der Türkei stärker in den Mittelpunkt rücken als Themen des alltäglichen Lebens in Österreich.
Dies kann insbesondere bei der zweiten und dritten Generation dazu führen, dass nicht primär die Identität als „in Österreich lebende Person türkischer Herkunft“ im Vordergrund steht, sondern stärker durch die Türkei geprägte politische oder kulturelle Zugehörigkeiten.
Diasporapolitik und Weitergabe von Identitäten
Ein wesentliches Merkmal türkischstämmiger Organisationen in Europa ist die weitgehende Aufrechterhaltung ihrer Verbindungen zur Türkei. Politische Parteien, religiöse Bewegungen und ideologische Organisationen aus der Türkei haben im Laufe der Zeit Beziehungen zu Gemeinschaften in Europa aufgebaut und über diese Netzwerke ihren sozialen und politischen Einfluss weitergeführt.
Diese Entwicklung führte zu zwei unterschiedlichen Ergebnissen:
Einerseits erhielten Migrantinnen und Migranten die Möglichkeit, ihre kulturelle Identität zu bewahren, soziale Solidarität aufzubauen und eigene Interessen sichtbar zu machen.
Andererseits führte dies in manchen Fällen dazu, dass ein stärkeres Engagement im politischen und gesellschaftlichen Leben des Aufenthaltslandes erschwert wurde und Diskussionen mit Ursprung in der Türkei weiterhin einen großen Raum einnahmen.
Diese Strukturen sind jedoch nicht der einzige Faktor für Integrationsprobleme
Dennoch wäre es falsch, die Integrationsprobleme in Österreich ausschließlich mit türkischstämmigen Vereinen und Organisationen zu erklären.
Auch Österreichs jahrzehntelange Haltung, sich nicht als klassisches Einwanderungsland zu verstehen, die verspätete Anerkennung von Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten als dauerhaften Teil der Gesellschaft sowie Herausforderungen im Bildungsbereich und bei der sozialen Mobilität haben den Integrationsprozess wesentlich beeinflusst.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, welchen Vereinen Migrantinnen und Migranten angehören. Ebenso wichtig ist, wie staatliche Politiken, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Aufnahmeprozesse gestaltet wurden.
Fazit
Der Prozess der Vereinsbildung der türkischstämmigen Gemeinschaft in Österreich hat eine doppelte Wirkung. Einerseits haben diese Organisationen Migrantinnen und Migranten Unterstützung, Identität und soziale Sicherheit geboten. Andererseits haben sie in manchen Fällen auch soziale Abschottung und die Fortsetzung türkeibezogener politischer Konflikte innerhalb Europas verstärkt.
Daher sollte die zentrale Frage der Integrationsdebatte nicht sein, ob solche Vereine existieren dürfen oder nicht. Entscheidend ist vielmehr, ob diese Institutionen Menschen stärker in die Gesellschaft, in der sie leben, einbinden oder ob sie sie innerhalb geschlossener Identitätsräume halten.
Um die heutigen Integrationsdebatten über die türkischstämmige Gemeinschaft in Österreich zu verstehen, muss die Geschichte dieser Organisationsstrukturen und der sozialen Netzwerke berücksichtigt werden, die sich in den vergangenen sechs Jahrzehnten entwickelt haben.
Quelle: DerVirgül