Türkischer Innenminister Çiftçi: ‘Süleymancılar’ nutzten geheime Messaging-App
Der türkische Innenminister Mustafa Çiftçi hat neue Aussagen zur Operation gegen das Umfeld von Alihan Kuriş gemacht.
Bei einer Presseerklärung nach einem Besuch der AKP-Provinzorganisation in Diyarbakır sagte Çiftçi, die Operation habe sich nicht gegen die breite Basis der religiösen Gemeinschaft gerichtet, sondern gegen die Führung, die sich nach seinen Worten zu einer „kriminellen Organisation zur Erlangung von Vorteilen“ entwickelt habe.
„Die Operation richtete sich gegen die Führung“
Çiftçi betonte, dass während der AKP-Regierungen keine religiösen Gemeinschaften oder konservativen Gruppen grundsätzlich ins Visier genommen worden seien. Zwischen den gläubigen Menschen an der Basis und der Führung müsse klar unterschieden werden.
„Es handelt sich um eine Operation gegen die Führung der Organisation. Sie richtet sich nicht gegen breite gesellschaftliche Gruppen“, sagte der Innenminister.
Nach seinen Angaben konzentriert sich die Operation insbesondere auf die finanziellen Ressourcen und Finanzierungsquellen der Organisation.
„Blooper“ als geheime Kommunikations-App
Besonders aufmerksamkeitsstark war Çiftçis Aussage über eine angeblich von der Führung verwendete geheime Kommunikationsanwendung.
Der Minister sagte, die Führung der Süleymancılar nutze eine Anwendung namens „Blooper“, über die sie miteinander kommuniziere. Der Zugang zur Anwendung sei nach seinen Angaben über eine dreistufige Verifizierung möglich.
Çiftçi verwies dabei auf die frühere Nutzung der Kommunikationsanwendung ByLock durch Mitglieder der FETÖ und zog einen Vergleich zur angeblichen Nutzung von „Blooper“ durch die Führung der Süleymancılar.
Der Minister erklärte außerdem, Alihan Kuriş habe 2016 die Führung der Bewegung übernommen. Seitdem habe es nach seinen Angaben umfangreiche Geld- und Vermögensbewegungen gegeben.
70-Millionen-Euro-Zentrum in Köln
Çiftçi sprach auch über die Aktivitäten der Süleymancılar in Deutschland. In Köln werde nach seinen Angaben ein großes Zentrum mit Kosten von rund 70 Millionen Euro errichtet.
Nach Fertigstellung sollten dort die Aktivitäten der Organisation gebündelt werden. Die Behörden hätten die Entwicklung bereits seit längerer Zeit beobachtet, sagte Çiftçi.
Erinnerung an eine Kontrolle im Jahr 2003
Der Innenminister berichtete außerdem von einer Kontrolle eines Studentenwohnheims, das er während seiner Zeit als Bezirksgouverneur (Kaymakam) im Landkreis Derinkuyu in der Provinz Nevşehir im Jahr 2003 besucht habe.
In dem Gebäude habe sich ein großer Saal befunden, der nach seiner Einschätzung als Gebetsraum genutzt wurde. Auf seine Frage nach der Funktion des Raumes habe man ihm jedoch geantwortet, es handle sich um einen „Mehrzwecksaal“.
Çiftçi sagte dazu: „Sie konnten einen Ort, der 2003 als Gebetsraum genutzt wurde, nicht als Gebetsraum bezeichnen.“
„Keine Operation gegen religiöse Gemeinschaften“
Çiftçi betonte erneut, dass sich die aktuellen Maßnahmen nicht gegen religiöse Menschen, konservative Gruppen oder religiöse Gemeinschaften richteten.
Vielmehr gehe es nach seiner Darstellung um die finanziellen und wirtschaftlichen Strukturen rund um Alihan Kuriş und die Führung der Organisation.
Die Angaben zur Nutzung der Anwendung „Blooper“, zu den finanziellen Strukturen sowie zu den Aktivitäten der Organisation beruhen auf den Aussagen von Innenminister Mustafa Çiftçi.| ©DerVirgül