Türkischer Führerscheintest seit 7 Jahren abgeschafft – wie bekommen Deutschschwache den Führerschein?

Türkischer Führerscheintest seit 7 Jahren abgeschafft – wie bekommen Deutschschwache den Führerschein?

| Adem Hüyük

In Österreich ist es sieben Jahre her, dass die theoretische Führerscheinprüfung auf Türkisch abgeschafft wurde. Der damalige FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer strich die türkische Prüfungsoption 2019. 2025 wurde eine Wiedereinführung erneut politisch diskutiert. Doch auch der SPÖ-Verkehrsminister Peter Hanke erklärte, dass die türkische Prüfung nicht zurückkommen werde. Dabei hatte Der Virgül bereits am 13. März 2025 einen Vorschlag eingebracht, der die Diskussion über „Deutsch lernen“ und „Verkehrsausbildung in der Muttersprache“ miteinander verbinden sollte.

Die FPÖ schaffte die türkische Führerscheinprüfung ab

Während der ÖVP-FPÖ-Koalitionsregierung strich der damalige FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer am 1. Juni 2019 die türkische Option bei der theoretischen Führerscheinprüfung.

Eine der zentralen Begründungen für die Entscheidung war, dass Migrantinnen und Migranten dadurch stärker zum Erlernen der deutschen Sprache motiviert werden sollten.

Seitdem kann die theoretische Prüfung neben Deutsch weiterhin unter anderem auf Englisch, Kroatisch und Slowenisch abgelegt werden. Die türkische Option wurde hingegen abgeschafft.

2025 begann die Diskussion erneut

Jahre später wurde die türkische Führerscheinprüfung erneut zum politischen Thema.

Die SÖZ-Partei forderte die Wiedereinführung der türkischen Prüfung, während der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp diesen Vorstoß ablehnte. Nepp vertrat die Ansicht, dass Migrantinnen und Migranten zunächst Deutsch lernen sollten.

Mitten in dieser Debatte brachte Der Virgül einen anderen Lösungsansatz ins Spiel.

„Wer A2-Deutsch kann, soll die Prüfung auf Türkisch ablegen dürfen“

Am 13. März 2025 wurde bei einer Veranstaltung, bei der die Wiener FPÖ ihren türkischstämmigen Kandidaten Mehmet Özay den türkischen Medien vorstellte, im Gespräch mit Dominik Nepp folgender Vorschlag direkt angesprochen:

Von Kandidatinnen und Kandidaten, die die theoretische Führerscheinprüfung auf Türkisch ablegen möchten, sollte ein offizieller Nachweis über Deutschkenntnisse auf dem Niveau A2 verlangt werden.

Nach diesem Modell müsste die betreffende Person zunächst Deutschkenntnisse auf A2-Niveau nachweisen und könnte anschließend die theoretische Führerscheinprüfung auf Türkisch ablegen.

Der Vorschlag sollte zwei unterschiedliche Ziele miteinander verbinden:

Migranten müssten Deutsch lernen, könnten die Verkehrsregeln aber in ihrer Muttersprache lernen und die theoretische Prüfung auch in dieser Sprache ablegen.

Adem Hüyük, der den Vorschlag eingebracht hatte, erklärte dazu:

„Wer dieses Zertifikat vorlegt, sollte das Recht erhalten, die türkische Führerscheinprüfung abzulegen. So lernen Migranten Deutsch und können gleichzeitig die Verkehrsregeln in ihrer Muttersprache besser verstehen und dadurch sicherere Autofahrer werden.“

Nepp zeigte sich angesichts des Vorschlags kurz überrascht, gab darauf jedoch keine Antwort.

Damit wurde die Diskussion erstmals aus dem klassischen Gegensatz „türkische oder deutsche Prüfung?“ herausgeführt und um eine dritte Möglichkeit erweitert:

„Deutschkenntnisse als Voraussetzung + theoretische Führerscheinprüfung in der Muttersprache.“

Auch unter der SPÖ blieb die Tür geschlossen

2025 wurde das Thema schließlich auch während der Amtszeit des SPÖ-Verkehrsministers Peter Hanke erneut aufgegriffen.

Trotz Forderungen nach einer Wiedereinführung der türkischen Prüfung erklärte Hanke, dass das bestehende System nicht geändert werde und keine Wiedereinführung der türkischen Prüfung geplant sei.

Damit kehrte die 2019 von der FPÖ abgeschaffte türkische Führerscheinprüfung auch unter einem SPÖ-Verkehrsministerium nicht zurück.

Auch Aslıhan Bozatemur kündigte an, das Thema aufzugreifen

Das Thema wurde vor der Wiener Gemeinderatswahl 2025 auch innerhalb der SPÖ angesprochen.

Die SPÖ-Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete Aslıhan Bozatemur erklärte während des Wahlkampfs, dass sie die Frage der türkischen Führerscheinprüfung erneut aufgreifen und ein Gespräch mit Verkehrsminister Peter Hanke führen werde.

Nach der Wahl wurde es um das Thema jedoch erneut still.

Was hat sich nach sieben Jahren verändert?

Die Entwicklung lässt sich wie folgt zusammenfassen:

2019: Der FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer schafft die türkische Führerscheinprüfung ab.

2025: Die SÖZ-Partei fordert die Wiedereinführung der Prüfung.

13. März 2025: Der Virgül unterbreitet Dominik Nepp direkt den Vorschlag, die türkische theoretische Führerscheinprüfung unter der Voraussetzung eines A2-Deutschzertifikats wieder einzuführen.

2025: SPÖ-Verkehrsminister Peter Hanke erklärt, dass die türkische Prüfung nicht zurückkehren soll.

2025: SPÖ-Politikerin Aslıhan Bozatemur kündigt an, das Thema aufzugreifen.

2026: Die türkische Führerscheinprüfung gibt es weiterhin nicht.

Warum?

Im Mittelpunkt der Debatte stehen eigentlich zwei unterschiedliche Ziele: Integration und Verkehrssicherheit.

Deutsch zu lernen ist zweifellos wichtig für die gesellschaftliche Teilhabe von Migrantinnen und Migranten in Österreich. Das Hauptziel einer Führerscheinprüfung besteht jedoch nicht darin, Deutsch zu unterrichten, sondern zu überprüfen, ob eine Person die Verkehrsregeln versteht.

Genau hier sollte das am 13. März 2025 vorgeschlagene Modell „A2-Deutsch + türkische Führerscheinprüfung“ einen Ausgleich zwischen beiden Zielen schaffen.

Die Migrantin bzw. der Migrant müsste Deutsch lernen, könnte die Verkehrsregeln aber in der eigenen Muttersprache besser verstehen und die theoretische Prüfung ebenfalls in dieser Sprache ablegen.

Mehr als ein Jahr später hat dieser Vorschlag jedoch ebenfalls keinen politischen Durchbruch erzielt.

Weder hat sich die FPÖ von ihrer Position „Deutsch muss gelernt werden“ entfernt, noch wurde die türkische Prüfung unter der SPÖ wieder eingeführt. Auch das Modell mit der A2-Voraussetzung fand bislang keine politische Unterstützung.

Doch nach sieben Jahren stellt sich eine weitere Frage

Die türkische Führerscheinprüfung wurde mit dem Argument abgeschafft, dass Migrantinnen und Migranten dadurch zum Erlernen der deutschen Sprache motiviert werden sollten.

Doch wie kann eine Person, deren Deutschkenntnisse im Alltag sehr begrenzt sind, die auf Deutsch abgehaltene theoretische Führerscheinprüfung bestehen?

Der Virgül hat bei seinen Recherchen festgestellt, dass in Österreich auch Menschen mit sehr begrenzten Deutschkenntnissen einen Führerschein erwerben können.

Damit geht die Debatte über die bloße Frage hinaus, ob die türkische Prüfung wieder eingeführt werden sollte. Sie wirft vielmehr die grundsätzliche Frage auf, was das bestehende Prüfungssystem tatsächlich misst.

Denn das Ziel der theoretischen Führerscheinprüfung ist nicht, Deutsch zu vermitteln, sondern festzustellen, ob die Kandidatin oder der Kandidat die Verkehrsregeln verstanden hat.

Wenn eine Person mit sehr begrenzten Deutschkenntnissen die deutsche Prüfung bestehen kann, stellt sich daher eine entscheidende Frage:

Besteht die Person die Prüfung, weil sie die Verkehrsregeln tatsächlich verstanden hat – oder reicht es möglicherweise aus, die Fragen und Antworten auswendig zu lernen?

Genau an diesem Punkt bietet das am 13. März 2025 von Der Virgül vorgeschlagene Modell „A2-Deutsch + türkische theoretische Prüfung“ eine alternative Möglichkeit.

Die Kandidatin bzw. der Kandidat müsste die Verpflichtung zum Erlernen der deutschen Sprache erfüllen. Gleichzeitig könnte sie oder er die Verkehrsregeln für ein besseres Verständnis in der Muttersprache lernen und die theoretische Prüfung ebenfalls auf Türkisch ablegen.

Mehr als ein Jahr nach dem Vorschlag hat dieses Modell jedoch noch keinen politischen Widerhall gefunden.| ©DerVirgül

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