Integration beginnt mit einem Gruß

Adem Hüyük, Avusturya'nın Viyana kentinde yaşayan Türk gazetecidir. Gazetecilik kariyerinde, Avusturya'daki Türk toplumu, göçmen politikaları ve Avrupa'daki Türk diasporası üzerine analizler kaleme almıştır. ****Deutsch: Adem Hüyük ist ein türkischer Journalist, der in Wien, Österreich lebt. In seiner journalistischen Laufbahn hat er Analysen über die türkische Gemeinschaft in Österreich, Migrationspolitik und die türkische Diaspora in Europa verfasst.

Der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen verwendete insbesondere während der Corona-Pandemie mehrfach die Formulierung:

„Liebe Österreicherinnen und Österreicher und alle, die in Österreich leben.“

Dieser Satz mag auf den ersten Blick wie ein kleines Detail erscheinen. In einem Land, in dem rund 2,5 Millionen Menschen eine Migrationsgeschichte haben, ist es jedoch ein starkes Signal der Zugehörigkeit, wenn sich eine Ansprache nicht nur an Staatsbürgerinnen und Staatsbürger richtet, sondern an alle Menschen, die hier leben.

Soweit ich es beobachten konnte, sind derart inklusive Formulierungen in der österreichischen Politik eher die Ausnahme.

Dabei machen Menschen mit Migrationsgeschichte heute rund ein Viertel der österreichischen Bevölkerung aus. Dennoch erscheinen sie in öffentlichen Debatten meist nur im Zusammenhang mit Integration, Sicherheit oder Migrationspolitik – deutlich seltener jedoch als selbstverständlicher Teil der gemeinsamen Geschichte und Gegenwart dieses Landes.

Artikel 6 der österreichischen Bundesverfassung hält fest: „Für die Republik Österreich besteht eine einheitliche Staatsbürgerschaft.“ Dieses Prinzip bedeutet, dass alle Staatsbürgerinnen und Staatsbürger – unabhängig von ihrer Herkunft, Sprache oder Religion – vor dem Gesetz gleich sind und derselben politischen Gemeinschaft angehören.

Doch zugleich warten in Österreich tausende Menschen, die den größten Teil ihres Lebens hier verbracht haben, hier geboren wurden, hier zur Schule gegangen sind, gearbeitet und ihr Leben aufgebaut haben, weiterhin an der Schwelle zur Staatsbürgerschaft. Manche scheitern an Wissensfragen, die im Alltag kaum eine Bedeutung haben. Andere geben wegen langwieriger, kostspieliger und belastender Verwaltungsverfahren ihren Antrag auf. So bleiben Menschen, die hier leben, arbeiten und sich diesem Land verbunden fühlen, rechtlich weiterhin außerhalb der Staatsbürgergemeinschaft.

Ich möchte dabei nicht missverstanden werden. Es geht mir nicht darum, die österreichische Bundesverfassung infrage zu stellen. Worauf ich aufmerksam machen möchte, ist vielmehr, dass Politik und Medien Menschen mit Migrationsgeschichte häufig nicht als Teil der positiven Erzählung dieses Landes wahrnehmen.

Denn Integration beginnt nicht allein mit Gesetzen, Sprachkursen oder der Teilnahme am Arbeitsmarkt. Integration beginnt damit, dass die Existenz eines Menschen überhaupt anerkannt wird.

Wer dauerhaft übersehen wird, wer in der öffentlichen Ansprache nicht vorkommt und nur dann wahrgenommen wird, wenn über Probleme gesprochen wird, entwickelt nur schwer ein Gefühl der Zugehörigkeit. Wer sich nicht gesehen fühlt, empfindet mit der Zeit mangelnde Wertschätzung – und dieses Gefühl kann Menschen innerlich von der Gesellschaft entfremden.

Der deutsche Philosoph Axel Honneth beschreibt, dass Menschen nicht allein durch rechtliche Gleichstellung zu selbstbewussten Individuen werden, sondern ebenso durch gesellschaftliche Anerkennung. Wird ein Mensch dauerhaft unsichtbar gemacht, leidet mit der Zeit sein Selbstwertgefühl – und damit auch sein Gefühl der Zugehörigkeit.

Sich einer Gesellschaft zugehörig zu fühlen, setzt voraus, dass man von ihr überhaupt gesehen wird.

Vielleicht beginnt Integration deshalb damit, Menschen nicht zuerst zu fragen, woher sie kommen, sondern anzuerkennen, dass sie hier leben und Teil dieser Gesellschaft sind.

Denn wer nicht gesehen wird, kann sich kaum als Teil des Ganzen fühlen. | ©DerVirgül

Yayınlama: 07.08.2026
Düzenleme: 07.08.2026
A+
A-
Bir Yorum Yazın

Ziyaretçi Yorumları - 0 Yorum

Henüz yorum yapılmamış.